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Auf nach Campinas
Hallo Welt!
Die Zeit hier in Porto Alegre geht zu Ende. Etwas mehr als zwei Wochen war ich hier und verlasse morgen die Stadt Richtung Campinas mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil ich mich freue, dass wieder etwas neues kommt, ich ein neues Hotel sehen kann und hoffentlich anderes Fruehstueck serviert wird. Weißbrot, die drei Sorten Marmelade und immer die gleichen Früchte kann ich nicht mehr sehen. Weinend, weil mir die Stadt echt ans Herz gewachsen ist. Es hat mir hier sehr gut gefallen, nicht zuletzt weil alles auch ein bisschen ruhiger ist als in Rio:-)
Die Interviews, die ich hier führen konnte, haben mir unglaublich viel gebracht. Es waren nicht viele, aber dafür habe ich glaube ich die richtigen Leute gefunden und so waren die Interviews bisher sehr gehaltvoll. Genauer gesagt habe ich mit drei Professoren von der Uni gesprochen, dem Technologieministerium, dem Unternehmerverband und der deutsch-brasilianischen Außenhandelskammer als aussenstehendem Akteur. Ich denke, dass ich den Teil für Rio Grande do Sul in meiner Diss mit einem dicken Haken versehen kann, weil ich auch noch einen ganzen Haufen Bücher geschenkt bekommen habe und einen dicken Stapel Kopien aus den Bibliotheken mitgenommen habe. Als nächstes geht es nach Campinas und Sao Paulo. Dort werde ich weitere Experteninterviews fuehren und “Kontaktpflege” betreiben.
Neben den guten Interviews war es aber auch relativ anstrengend und vor allem langweilig, so lange alleine im Hotel rumzuhaengen und auf den nächsten Termin zu warten. Strand und Wasserfälle sind weit weg – und außerdem kann das Handy ja auch jederzeit klingen und es will wieder irgendjemand mit mir über meine Diss reden. Und was macht man in der Zwischenzeit bis zum nächsten Termin wenn man schon das Gefühl hat, alles wesentliche von der Stadt gesehen zu haben? In einem der vielen Parks chillen, ins Kino gehen, viel eiskaltes Bier trinken, lesen-schreiben-fernsehen, im internet-cafe abhängen – Routine stellt sich schnell ein, auch wenn man in einer ganz neuen Umgebung ist.
Liebe Gruesse an alle
ich
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Fotos, endlich…
Hallo Welt,
eine der besten Sachen an Porto Alegre ist der mercado publico. Hier gibt es nicht nur viele Restaurants und Kneipen, sondern auch Internet umsonst:-) Hier kann man gut sitzen, “arbeiten”, Bierchen trinken und blogs bearbeiten. Morgen kommt das naechste Interview, am Freitag habe ich beim Minister fuer Wissenschaft und Technologie ein date. Juhu! Und dann geht’s auch schon wieder weiter. Hier aber erst einmal ein paar Fotos. Wirklich viele (gute) habe ich noch nicht gemacht, aber das kommt ja vielleicht noch…
Touristandardbild I
Touristandardbild II. Das schoenste an Niteroi: Der Blick auf Rio
Am Strand von Itacoatiara. Erster Tag – erster Sonnerbrand.
Porto Alegre. Schatten!
Diego ist auch am Start:-)
Park zum Lesen I
Haben die Deutschen Einwanderer hier etwas verdreht…
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Porto Alegre I
Porto Alegre.
Ich bin jetzt gut eine Woche hier und kann nur sagen: die Stadt gefällt mir. Und vor allem ist es kühler als in Rio – wenn auch nur ein bisschen. 32 Grad sind es hier auch jeden Tag, aber Gott sei Dank nicht so schwül. Eben war ich zur Belohnung einer guten Woche in der laut Veja (so etwas wie dem brasilianischen Spiegel) besten Churrascaria in Porto Alegre, der Hauptstadt des Gaúcholandes. Meine Fres.. war das lecker! So gutes Fleisch habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen.
Am Dienstag hatte ich mein erstes Interview mit einem Politikwissenschaftler an der PUCRS, einer Privatuni, die ohne Zweifel zu den besseren im Lande gehört. Die Kontaktaufnahme war ziemlich lustig: Ich hatte ihm um die Mittagszeit eine mail geschickt und nachts um 23:00 Uhr ruft er mich zurück und entschuldigte sich auch noch, dass es so lange gedauert hat. Das nenne ich mal nett. Er stellte sich als absoluter Glücksgriff heraus. Ohne dass ich mich wirklich auf ihn gestürzt hätte, ist Prof. Santos einer der führenden Experten im Süden Brasiliens für Innovationssysteme, Technologiepolitik und Politik in Rio Grande do Sul und somit konnte mir auf alle meine Fragen ausführlich und kompetent antworten. Das beste an der ganzen Sache war, dass er an der FU in Berlin seinen Doktor gemacht hat und somit fließend deutsch kann. Das Interview führten wir dann aber auf Portugiesisch, was für mich natürlich auch ein Gutes Training war. Ich bin richtig glücklich aus seinem Büro gegangen und dachte mir, dass ich jetzt eigentlich alle Infos habe. Es lief wirklich gut. Die nächsten beiden Tage verbrachte ich in der Bibliothek der PUC und kopierte und kopierte und kopierte. Oder besser: ließ kopieren. So etwas macht man hier nicht selbst:-) Jetzt habe ich einen Haufen Informationen über diesen Bundesstaat. Heute habe ich noch zwei Kontakte an die Angel bekommen: Eine weitere Expertin und den Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des hiesigen Unternehmerverbandes. Die beiden Interviews werden in den nächsten Tagen über die Bühne gehen. Und dann muss ich nur noch an den blöden Secretário für Wissenschaft und Technologie rankommen, so etwas wie der Minister hier in Rio Grande do Sul. Aber der ist gerade noch etwas zäh, antwortet nicht auf mails, die Sekretärin hat sich jetzt zum zweiten mal meine Telefonnummer aufgeschrieben. Nachher gibt’s noch ein Fax und ein mail an eine weitere Adresse und Montag früh wieder einen Anruf. Ich bekomme den schon noch an die Angel!
Als nächstes fahre ich nach Campinas. Dort habe ich über Rafael Palacios einen tollen Kontakt, der einen Zwischenstop lohnt. Vielleicht bleibe ich dort ein paar Tage länger, nicht zuletzt weil die ein Sitzung des gesamten Forschungsbereiches mit mir machen wollen… Naja, und danach würde ich wirklich gerne nach Brasilia fahren/ fliegen. Aber die im Ministerium sind auch noch etwas schwer davon zu überzeugen, dass sie jetzt unbedingt mit mir reden müssen.
Es geht also voran!
Dicken Gruß in die Welt
ich
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Neuer Staat, neue Nummer
Auch ein Phaenomen, ueber das man laenger schreiben kann: Die Telefonnetze fuer Handdies sind nach Bundesstaaten geordnet. Das heisst, wenn man in einen anderen Bundesstaat faehrt, muss man sich dort ein neue Nummer holen, um keine roaming Gebuehren zu zahlen. Sehr lustig…
Hier die neue Nummer: 51-8211.7220
Liebe Gruesse
ich
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Kirche
Es ist schwer zu beschreiben, welche immense Präsenz die Kirchen hier in Brasilien haben. Ich hatte zwar im Vorfeld viel darüber gehört und konnte mich natürlich auch an ein paar erstaunliche Predigten von meinem Studienjahr hier erinnern, aber was ich hier in den letzten Tagen gesehen habe, übersteigt wirklich meine protestantische Vorstellungskraft. Es gibt hier unzählige verschiedene Kirchen, eine Mischung, die über unsere einfache deutsche Trennung von Katholiken und Protestanten weit hinaus geht. Den groessten Zulauf haben die Evangelisten. Das sind diese Kollegen, welche die Menschen mit groesster Inbrunst ihre Predigten halten und dabei nicht selten schreien und in Ekstase geraten, um uns auf den Pfad Gottes zu bringen. Manche sind dabei auch ganz ruhig und versuchen Gottes Botschaft mit trivialen Alltagsgeschichten zu erklären Die besten können sogar Blinde wieder sehend machen. Ein von diesen Kirchen, die Assembleia de Deus, ist mittlerweile unglaublich mächtig und auch politisch einflussreich geworden, dass sie ähnlich wie in den USA eine extrem wichtige Wählergruppe darstellen.
Auf der Busfahrt von Rio nach Porto Alegre saßen zwei Frauen hinter mir, die sich bestimmt 3 Stunden über Maria Magdalena, Jesus Christus und ihre jeweiligen Pastoren unterhalten haben. Das an sich wäre glaube ich gar nicht so erwähnenswert, viel interessanter ist das „wie“. Meine Nichte hat die gleichen Charakterzüge wie Maria, Jesus Christus soll meinem Mann wieder Arbeit bescheren und meiner Mutter Gesundheit, unser Pastor sammelt ein paar kleinen Spenden ein und tut etwas für die Gemeinde. Und dieses wird mit einer Mischung aus Pathos und einer gewissen Oberflächlichkeit über lange Zeit in allen Einzelheiten dargelegt. Dass „etwas für die Gemeinde tun“ wahrscheinlich billiger wäre, wenn man es selber machen und zudem nicht so viel Geld in den Taschen des Predigers landen würde und dass Jesus Christus keine Autos verschenkt, wird dabei oft vergessen.
In meinem Hotel hier Porto Alegre empfange ich 7 Kanäle im Fernsehen. Den größten Kanal des Landes, Globo, 2 kleinere Stationen, einen shopping Kanal und 3 Kirchensender. Mitten in der Fußgängerzone auf dem Weg zum Marktplatz saß ein Mann in einem geparkten Auto mit einem riesigen Lautsprechern oben drauf, der zu grauseliger Musik Karaoke sang und dessen Texte sich sinngemäß darum drehten das ER (wobei nicht klar war ob der Sänger oder eben ER) die Erde in sieben Tagen geschaffen hat und seitdem für immer für uns da war und sein wird usw. In Arraial do Cabo waren wir gerade mal zwei Tage und an beiden Abenden waren die Kirchen geöffnet Mal waren sie gerammelt voll, mal saßen gerade mal 10 Leute drin.
Bei einem gepflegten Biechen muss ich mit den Leuten mal ueber ihr Verhaeltnis zu Gott schnacken, denn so ganz komme ich da noch nicht mit klar. Nicht das es irgendwie schlimm waere, aber wundern tut es einen dann doch.
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Lärm
Brasilien ist laut. Live Musik ist laut. Filme im Kino sind laut. Menschen unterhalten sich laut. Der Straßenverkehr und selbst die U-Bahn ist laut. Klimaanlagen sind laut. Der Fernseher ist immer laut. Eigentlich ist alles laut. Ich hatte Glück, dass die Wohnung in Rio in einer kleinen Nebenstraße lag und deswegen der Lärm der großen Stadt nicht so präsent war, aber auch in der kleinen Wohnung waren die Kinder und selbst die Dusche von den Nachbarn einfach nur laut. Ein schöner Moment ist immer so gegen 23:00 Uhr gewesen, wenn sich die Stadt ein wenig beruhigt. Vor ein paar Tagen bin ich um 3:00 Uhr nach Hause gegangen und es war einer der coolsten Momente überhaupt Niemand war auf den Straßen, kein Verkehr mehr. Auch wenn man zu der Uhrzeit möglichst schnell nach Hause kommen sollte, bin ich ganz langsam gegangen, um diese Riesenstadt einmal so zu erleben. Toll. Ich brauche einfach sehr viel Ruhe. Zu Hause regt mich der Bass von den komischen Menschen bei uns im Haus ja schon auf. Da würde sich hier niemand Gedanken drum machen. Vieles von dem alltäglichen Lärm ließe sich sicherlich vermeiden. Aber so richtig habe ich es auch einfach noch nicht geschnallt, ob es negativ gesehen einfach fehlende Rücksicht auf die anderen ist, oder ob es auch andersherum etwas Positives sein kann, einfach das machen zu können, wozu man gerade Lust hat.
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